Resilienz durch Reduktion und Fokus

Dieser Satz von Steve Jobs als CEO von NEXT ist kein Appell zur Bescheidenheit. Er ist eine Kampfansage gegen Komplexität.

Der Denkfehler unserer Zeit:

Organisationen stehen unter Druck. Mehr Kunden. Mehr Systeme. Mehr Projekte. Mehr Geschwindigkeit. Die Antwort darauf ist fast immer dieselbe. Mehr Ressourcen. Mehr Tools. Mehr Initiativen.

  • Das Problem ist nicht die Menge an Arbeit.
  • Das Problem ist die Menge an unnötiger Arbeit.

Komplexität wächst nicht linear. Sie wächst exponentiell.
Und sie frisst alles. Zeit. Energie. Klarheit. Verantwortung.

Steve Jobs hat es anders gemacht. Bei Apple war Reduktion kein Nebenprodukt. Sie war Methode. Das gilt bis heute, lange nach seinem Ableben.

  • Weniger Produkte.
  • Weniger Varianten.
  • Weniger Entscheidungen.
  • Weniger Abstimmungen.

Dafür mehr Fokus. Mehr Tiefe. Mehr Qualität.

Nicht Wachstum um jeden Preis, sondern bewusster Aufbau. Langsam. Sorgfältig. Kontrolliert. Nun gut, NEXT hat nicht überlebt, aber Steve hat diese prinzipien mit zu Apple zurück getragen, als er wieder die Führung nach den gescheiterten CEO’s übernommen hat.

Was das mit Resilienz zu tun hat:

Resilienz wird oft missverstanden. Als Fähigkeit, mehr auszuhalten. Das Gegenteil ist richtig. Resilienz entsteht nicht durch Belastung. Sie entsteht durch die Reduktion von unnötiger Belastung. Ein System ist dann resilient, wenn es weniger Abhängigkeiten hat. Weniger Schnittstellen hat. Weniger Sonderfälle kennt. Weniger Koordinationsaufwand erzeugt.

Komplexität ist kein Zeichen von Leistungsfähigkeit. Sie ist oft ein Zeichen von Kontrollverlust.

Die eigentliche Führungsaufgabe:

Führung bedeutet nicht, mehr zu ermöglichen. Führung bedeutet, konsequent zu streichen. Damit ist jetzt kein knall hartes Management gemeint, sondern die Auswahl mit Weitsicht und Verstand. Es geht nicht darum, was raus zu schneiden, sondern clever zu fokussieren.

  • Was hören wir auf zu tun, weil es keinen großen Beitrag leistet
  • Welche Prozesse entfernen wir, weil sie uns verkomplizieren und langsam machen
  • Welche Varianten eliminieren wir, weil sie nicht profitabel sind

Das ist unangenehm. Weil Reduktion immer Verzicht bedeutet. Aber genau darin liegt die Stärke.

Fazit:

Reduktion ist kein ästhetisches Prinzip für Apple-Produkte. Sie ist ein ökonomisches Prinzip. Und sie ist die Voraussetzung für Reselienz. Grade jetzt, in schwierigen Zeiten.

Wer heute versucht, Komplexität durch noch mehr Aktivität zu lösen, wird scheitern. Wer den Mut hat, systematisch zu reduzieren, gewinnt Kontrolle zurück. Und zwar signifikant! Das ist der Unterschied zwischen Organisationen, die reagieren. Und denen, die gestalten. Klar, gestalten ist nicht einfach, aber notwendig.

Veröffentlicht von

harrywessling

Harry Wessling ist Executive Advisor für digitale Transformation mit Schwerpunkt auf Organisation, Menschen, Prozesse, Vertrieb und CRM. Er ist Diplom Kaufmann und Alumni der Universität zu Köln. Seit mehr als 25 Jahren begleitet er Unternehmen in Industrie, Finanzwirtschaft und regulierten Umfeldern bei der Veränderung komplexer Strukturen und Arbeitsweisen. Seine berufliche Laufbahn begann bei Ernst und Young sowie Cap Gemini, wo er CRM Strategien und Transformationsvorhaben für Unternehmen wie Aral, E.ON, American Express und Hewlett Packard verantwortete. Als Gründer und Geschäftsführer der Axcepting GmbH war er über zehn Jahre unternehmerisch tätig und verantwortete Programme für Unternehmen wie Siemens, RWE und Zodiac Aerospace. In leitender Funktion steuerte er internationale Transformationsprogramme, unter anderem für Lufthansa Cargo und Commerzbank. Zuletzt verantwortete er als Director Professional Services bei DIGITALL globale CRM und Transformationsprogramme mit über 250 Beratern. Er ist Gastdozent für Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Vertrieb und CRM an der Hochschule Bonn Rhein Sieg und Autor mehrerer Fachpublikationen, darunter „Steve Jobs’ Agenda“ mit über 500.000 Lesern.