Apple zahlt 38 Mrd. US$ Steuern – Warum eigentlich nicht hier in Europa?

Apple nutzt wie alle Unternehmen die bestehenden Rechtsräume, aber wir als Europäer schauen in die Röhre, denn die in Europa gelagerten Milliarden sind hier entstanden, weil Kunden hier in Europa über Jahre hinweg kräftig zugelangt haben bei Apple-Produkten. Apple hat in Irland 50 Euro Steuern auf 1 Mio. EUR Umsatz gezahlt, wenn man der Presse glauben kann. Apple selbst gibt seinen Steuersatz seit 2015 mit 12,5 Prozent in Irland an. Wie dem auch sei, wenn alles richtig gelaufen wäre, würden 38 Mrd. US$ an Steuern hier in Europa gezahlt werden und nicht in die Staatskassen der Amerikaner. Sollten Steuern nicht dort gezahlt werden, wo der Umsatz generiert wurde?

Das Geld gehört dem Europäischen Fiskus – Eigentlich

38 Mrd. US$, aktuell etwa 31 Mrd. EUR gehören der EU, doch leider waren wir zu sehr mit kleinteiligen Steuerkriegen zwischen den Ländern engagiert, als dass wir uns zusammen raufen und einheitlich in Europa alle Unternehmen gleich besteuern. Aber nein, jeder will gewinnen und am Ende verlieren wir alles … an Amerika. Genau das kommt dabei heraus. Apple hat alles richtig gemacht. Und so schwer es mir fällt, auch US-Präsident Trump hat Apples Entscheidung in gewohnter Manier populistisch in Szene gesetzt und die Zerstrittenheit in Europa für Amerika genutzt. Ziemlich schlau von dem Amerikanern. Ziemlich dumm von uns Europäern. Leider.

Was lernen wir daraus?

Apple war erst der Anfang, denn auch Unternehmen wie Microsoft, Google und Facebook werden den neuen Steuersatz für sich nutzen und das Geld dort versteuern, wo es aus unternehmerischer Sicht sinnvoll erscheint. Jeder verantwortliche Manager wär mit der Zange gekniffen, wenn er nicht genau so handelt, wie Apple es derzeit vorlegt. Steueroptimierung auf globalem Niveau und das ist aus ökonomischer Sicht absolut berechtigt. Ob es sozialpolitisch korrekt ist, muss von unseren Politikern beantwortet werden, die es zugelassen haben, dass Unternehmen wie Apple einen Cash-Berg von über 200 Mrd. US$ in Europa angehäuft, unangetastet gelagert und dann in die USA transferiert wird, wenn die Steuergesetzgebung einen günstigen Moment verspricht.

Gewinne aus der Digitalisierung

Digitalisierung kennt keine Grenzen. Wenn wir Europäer uns weiter in kleinteiliger Vielstaaterei verzetteln und nationale Interessen in den Fokus rücken, wird sich nichts daran ändern, dass Steuern genau dort abgeführt werden, wo es für die Handelnden am günstigsten scheint. Unternehmer sind für eine positive wirtschaftliche Entwicklung mit Gewinnabsicht verantwortlich. Politiker sind für Rahmenbedingungen und gerechte Verteilung verantwortlich. Eine digitale Welt erfordert Rahmenbedingungen, die das berücksichtigen, statt sich in allerhand „analogen“ Subventionen in toten Industrien zu engagieren.

Veröffentlicht von

harrywessling

Harry Wessling ist Executive Advisor für digitale Transformation mit Schwerpunkt auf Organisation, Menschen, Prozesse, Vertrieb und CRM. Er ist Diplom Kaufmann und Alumni der Universität zu Köln. Seit mehr als 25 Jahren begleitet er Unternehmen in Industrie, Finanzwirtschaft und regulierten Umfeldern bei der Veränderung komplexer Strukturen und Arbeitsweisen. Seine berufliche Laufbahn begann bei Ernst und Young sowie Cap Gemini, wo er CRM Strategien und Transformationsvorhaben für Unternehmen wie Aral, E.ON, American Express und Hewlett Packard verantwortete. Als Gründer und Geschäftsführer der Axcepting GmbH war er über zehn Jahre unternehmerisch tätig und verantwortete Programme für Unternehmen wie Siemens, RWE und Zodiac Aerospace. In leitender Funktion steuerte er internationale Transformationsprogramme, unter anderem für Lufthansa Cargo und Commerzbank. Zuletzt verantwortete er als Director Professional Services bei DIGITALL globale CRM und Transformationsprogramme mit über 250 Beratern. Er ist Gastdozent für Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Vertrieb und CRM an der Hochschule Bonn Rhein Sieg und Autor mehrerer Fachpublikationen, darunter „Steve Jobs’ Agenda“ mit über 500.000 Lesern.

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