Sicherheitswahnsinn – Going Backwards

Digitalisierung im Rückwärtsgang? Was ist da los? Immer mehr Profis tragen zwei Smartphones mit sich herum. Neuerdings sehe ich sogar immer mehr Menschen mit zwei Laptops in der Bahn oder am Airport. Eigentlich soll alles einfacher werden, aber genau das Gegenteil tritt ein. Warum ist das so?

Sicherheitswahnsinn!

Depeche Mode singt von der „Cave Man Mentality“, der Mentalität von Höhlenmenschen und genau dieses Szenario wird aktuell von Sicherheitsexperten forciert. Wer Privat- und Berufsleben mit moderner IT über Cloud-Dienste kürzlich zu einem Life Leadership Ansatz ausgestaltete, knallt jetzt mit voller Wucht gegen harte Wände der Firmengebäude, in denen der BAFH sein Unwesen treibt. Der BAFH? Wer ist das denn? Tja, das ist der „Bastard Administrator from Hell“, die Leute aus der IT, die eigentlich überflüssig geworden sind, weil Cloud-Lösungen auch ohne sie funktionieren. Also haben sie sich neue Aufgabenfelder gesucht und die Entscheider davon überzeugt, dass man alles und jedes gegen die gesamte böse Welt da draußen schützen muss.

Alles absperren und verhindern!

Ein Vertriebsvorstand war komplett außer sich, nachdem eine tolle Sicherheitslösung auf seinem Smartphone installiert wurde. „Ich sehe bei meinen Anrufern jetzt nur noch Telefonnummern und habe keine Ahnung, wer da dran ist.“ Tja, so kanns kommen, damit alles schön abgesichert ist.

Ein anderer Manager sagte mir: „Ich kann den Firmenlaptop nicht mehr gebrauchen. Die haben alle Dienste abgeschnitten, mit denen ich produktiver arbeite. Keine Dropbox mehr, keine private Clouddienste mehr, keine geteilten Kalender, keine Kontakte und Aktivitäten über Cloud-Sharing.“

Jetzt kommt’s dicke …

Noch nicht genug des Guten, denn auf meiner Reise erlebe ich immer erstaunlichere Dinge. Ein Freund berichtet mir, dass wichtige Dokumente zwischen Marketing und Vertrieb mit großen Dateiumfängen über Browserlösungen und firmenexterne Cloud-Dienste ausgetauscht und gespeichert werden. Ein Projektleiter berichtete mir, wie er die Policy von seinem Smartphone mit geeigneten Werkzeugen deinstallierte und die „Macht der Admins“ ohne Zustimmung 100% von einem Gerät entfernte. Die Menschen finden ihre Wege aus der Security-Klemme.

Kostentreiber und Effizienzkiller

Am Ende beobachte ich, wie alle klugen Mitarbeiter, die in einer digitalisierten Welt zuhause sind, die Sicherheitsrichtlinien nach Strich und Faden umgehen. Die BAFH’s haben keine Chance, das auch nur ansatzweise einzufangen, weil Menschen sich die Lösungen suchen, die am einfachsten sind und die am besten für eine reibungslose Zusammenarbeit funktionieren. Jede IT-Maßnahme, die hier immer wieder neue Grenzen zieht, führt im Unternehmern nur zu einem Ergebnis: Effizienzverluste, Kostentreiberei (ja ja, Prozesskosten sind meistens die teuersten Angelegenheiten) und individualisierte Lösungen ohne jeden Standard. Das Chaos ist vorprogrammiert.

Wie die Kontrolle zurück erlangen?

Was ist das Ziel der Digitalisierung?. Es geht doch nicht um Kontrolle, Zeitstechkarten, Regeln, Grenzen und Absicherung. Digitalisierung soll beschleunigen, Zusammenarbeit verbessern und Grenzen aufheben. Der Durchfluss von Daten und Prozessen muss sicher gestellt sein. Jede Grenze verhindert die Digitalisierung. Das paradoxe dabei ist, dass die BAFH’s eine Security-Policy nach der nächsten hoch ziehen. Immer mit dem Argument, das Unternehmen, Kunden- und Mitarbeiterdaten abzusichern.

Wer mehr absichert als freigibt, bremst die eigene Digitalisierung aus.

Die Entscheider müssen nach wie vor die Regeln der IT festlegen und nicht umgekehrt.

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