Fasten Digital – Macht das Sinn?

Fasten digital. Die analoge Welt © Harry Wessling 2018

Nach Karneval üben sich viele Menschen im Verzicht. Süßigkeiten, Alkohol oder Fleisch werden reduziert oder sogar ganz weg gelassen. Hintergrund: „Zu viel Konsum“ mit weniger Konsum ausgleichen, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Fasten bedeutet auf etwas zu verzichten. Geht das auch digital und wenn ja, warum eigentlich?

Zurück zu den Wurzeln

Heute kennen wir das Fasten als Verzicht auf Dinge, die möglicherweise im Überfluss genossen unerwünschte Nebenwirkungen hatten. Als Gegenreaktion lässt man sie komplett weg in der Hoffnung, wieder in eine gesunde Laufbahn zu kommen. Fasten ist jedoch schon tausende von Jahren alt. Damals  fastete bereits Jesus in der Wüste. Allerdings hatte das nichts mit Konsum zu tun. Er verzichtete auf Nahrung, weil es ihm um eine geistliche Dimension ging. Damit gelang es ihm, den Fokus auf Gott zu richten, weg von dem hier und jetzt, weg von irdischen Dingen. Das besondere daran war aber eigentlich nicht nur die Abwesenheit von Nahrung, sondern auch der Ausgleich. Was können wir daraus lernen?

Digitaler Verzicht – unmöglich?

Schon bei Jesus war Fasten nicht darin begründet, etwas wegzulassen, vielmehr wurde es ausgetauscht. Heute versuchen sich viele Menschen im Heilfasten, indem sie etwas weglassen. Dem Ursprung nach, macht das aber keinen Sinn. Es geht nicht nur um Verzicht, sondern darum, den Fokus neu auszurichten. Den Schwerpunkt anders zu  legen. So gesehen, macht es Sinn, jetzt die Frage nach dem digitalen Fasten zu stellen. Es geht eben nicht darum, nur etwas weg zu lassen, sondern es auszutauschen. Weg mit dem ungesunden, weg mit den Dingen, die beschweren und belasten und her mit etwas, das gut für uns ist. Quasi im Austausch.

Warum digitales Fasten?

Vermutlich hat hier jeder seinen ganz eigenen Ansatz. Möglicherweise sind wir gehetzt durch die ständige digitale To-do-Liste. Vielleicht haben wir einfach keine innere Ruhe mehr, weil ständig irgend ein Ping aus einem X-beliebigen Netzwerk auf uns einschlägt. Meistens komplett irrelevant, unwichtig und wertlos, aber wir wollen ja nichts verpassen. Immer halten wir unser Gehirn auf Spannung. Kontinuierlich lassen wir uns durch Glückshormone treiben, die dadurch ausgeschüttet werden, indem wir schon wieder etwas neues lesen oder selber dazu getrieben sind, ständig der Welt da draußen zu zeigen, wie wichtig wir sind. Also wieder ein Foto, noch ein Post und wenn uns nichts mehr einfällt, penetrieren wir gewaltsam das berufliche Social Media Netzwerk mit einen Spruch von irgend einer Persönlichkeit, um nur irgendwie Aufmerksamkeit zu erhalten. Wollen wir wirklich so sein? Ist es das, was wir wollen? Aufmerksamkeit um jeden Preis?

Beispiele für digitales Fasten

Es macht keinen Sinn, sein Smartphone zu bannen und sich selber von der Welt abzuschneiden. Beruflich eingebunden ist das auch nicht mehr möglich. Unsere Projekte hängen schon lange in der Cloud, unsere Kundenbeziehungen sind auch von der Wolke über uns abhängig. Bricht die zusammen, geht eh nichts mehr. Was also wäre vernünftig? Wo macht es Sinn, den Fokus neu zu legen? Nicht nur weg lassen, sondern neu ausrichten.

  • Mal Samstags den Spiegel als Print lesen, in aller Ruhe und keine „News“ auf der App
  • Beim Essen mit Freunden unbedingt das Smartphone komplett ausschalten
  • … und erst recht keine Fotos von Essen oder Location machen
  • Zum Frühstück mal auf ein Blatt Papier schreiben, was heute wirklich wichtig ist. Strichpunkte
  • Im Auto mal entspannt einen Podcast hören, ein Buch oder so, statt immer zu telefonieren
  • Das Smartphone zur Nachtruhe auch wirklich in die Nachtruhe schicken. Komplett weg
  • Nicht als letzten vor dem schlafen gehen auf das Handy sehen (wie wäre ein echtes Buch?)
  • Nicht als erstes nach dem aufstehen auf das Handy sehen
  • Am Airport bewusst keine Nachrichten checken, sondern einfach mal einen leckeren Kaffee trinken und nachdenken, vielleicht sogar mal vor denken
  • Überhaupt: Mal nachdenken, ohne direkt zu einem Gerät zu greifen. Ideen wirken lassen
  • Wiederbelebung von Stift und Zettel, einfach nur deshalb, um sich selber etwas Gutes zu tun, visuell Ideen entwickeln
  • Grundsätzlich mehr erfahren und erleben als teilen. Weniger teilen, mehr erleben
  • Dinge ganz alleine privat für sich genießen und nicht teilen

Was sind Ihre Ideen?

Was sind Ihre Ideen? Schreiben Sie doch einen Kommentar, womit Sie gute Erfahrungen gemacht haben. Wie können Sie wieder etwas mehr Laufruhe herstellen? Nehmen Sie Ihr Leben wieder etwas mehr in die Hand und legen Sie das Gerät mal etwas beiseite, dass Sie den ganzen Tag scheinbar in Beschlag nimmt. Ist gar nicht so schwer … digitales Fasten.

Bis später dann

Ich versuche es auch mal bei mir selbst und bringe den nächsten Beitrag erst nächste Woche. Einfach nur, um diese Zeit anders und analog zu verwenden. Zumindest nehme ich mir das vor. Mal sehen, was daraus wird. Bis später …

2 Kommentare

  1. den Ansatz finde ich sehr gut, auch die Vorschläge;
    aber zwei Dinge gehen mir noch unter…
    1. digital ist für mich viel mit Arbeit verbunden; im Privaten mag ich digital fasten, aber wie ist das mit Arbeit? Können wir uns von dieser Art der Digitalisierung „enthalten“?
    2. wie zu Anfang erwähnt wurde ging es Jesus (und vielen anderen vor und nach ihm) beim Fasten um einen Fokus auf… sagen wir ‚etwas Höheres‘; was ist das Höhere hier? Ist analog = besser? Kann man nicht auch bewusst und vielleicht sogar ‚geistlich‘ mit dem Digitalen umgehen? Einführende Übung: ‚Meditiere über @‘ 🙂

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