Design Thinking Wurzeln

Kürzlich habe ich über die Wurzeln von Design Thinking bei Apple berichtet, zehn Jahre bevor es vermarktet wurde. Viele gute Ideen in der Menschheitsgeschichte sind parallel entstanden. Apple hat jedoch nie mit Methoden Geld verdient. Dennoch macht es Sinn genauer hinzusehen. Denn was heldenhaft in der Volkserinnerung haften geblieben ist, hat nicht unbedingt etwas mit der Realität zu tun.

Ein kurzer Blick zurück in die Geschichte der Mac-Entwicklung

Jef Raskin ist der eigentliche Vater des Mac. Steve Jobs hat dies für sich in Anspruch genommen, doch es ist belegt, dass er das Projekt von Jef Raskin quasi übernommen hat, samt den richtig guten Ideen. Was zeichnete Raskins Arbeit aus und wieso ist es ein gutes Vorbild für Design Thinker? Raskin leitete das Macintosh-Team. Er benannte den Rechner nach seiner Lieblingsapfelsorte, den McIntosh, eine leckere süß-saure Apfelsorte, beheimatet in Kalifornien. Steve Jobs wollte den Namen Macintosh kippen und in „Fahrrad“ ändern, was zu seiner Idee passte, Computer seien wie Fahrräder für unsere Gehirne. „Bicycle“ setzte sich im Team jedoch nicht durch.

Anwender! Anwender! Anwender!

Raskin hatte von Beginn an nur eins im Sinn, den Anwender. Was heute selbstverständlich ist, war damals noch von einem anderen Planeten. Der Mac begrüßte seinerzeit den Anwender mit „Willkommen“, während die Achtziger für Anwender geprägt war von einer grünen oder orangenen Kommandozeile mit der Eingabeaufforderung C:\>

Diese Zeichen sind kryptisch, stammen von Entwicklern aus Kellern, die sich mit ebenso komplizierten Befehlen herumschlugen, die kein normalsterblicher verstanden hat. Der Mac dagegen wurde gesteuert mit einer Maus und die Benutzeroberfläche war grafisch. Drag & Drop wurde geboren. Microsoft versuchte den Ansatz später zu kopieren, was jedoch in einem Desaster endete, weil die Fenster noch nicht einmal übereinander geschoben werden konnten, wie es beim Mac möglich war.

Kunden wissen aber nicht, was sie wollen

Die Moral der Geschichte ist recht einfach – Lösungen aus Sicht der Anwender/Kunden denken. Steve Jobs hatte dann schon Recht, als er später sagte, dass die Kunden eigentlich gar nicht wissen, was sie wollen, bis man ihnen eine Lösung zeigt. Es ist also kein leichtes Unterfangen, aus Sicht der Kunden zu denken, weil Kunden sich in der Tat Lösungen oftmals nicht vorstellen können. Ein Beispiel: In einer Diskussion mit Experten verteidigte Steve Jobs die „fehlenden“ Anschlüsse an einem iPhone. Aus dem Publikum kam die Forderung: „Wir müssen unsere Daten übertragen, also brauchen wir einen USB-Stecker.“ Steve Jobs entgegnete: „Nein, du willst kein Kabel“ und der Experte: „doch, ich brauche ein Kabel.“ Er gab einfach nicht auf und er verstand auch nicht, bis Steve sagte: „Du willst Deine Photos auch auf anderen Geräten, aber die Lösung ist nicht das Kabel. Wie magisch willst du sie einfach auch auf anderen Geräten.“

Unsere Sicht heute

Aus heutiger Sicht ist jedem sofort klar, das Photos, wie auch viele andere Daten über die Cloud zu allen gewünschten Geräte synchronisiert werden oder zumindest auf Anfrage zugänglich sind. Wer will heute noch ein Kabel? Menschen wollen schnelle Verbindungen, aber keine Kabel. Wenn die Lösung da ist, scheint es soooooo einfach. Wir blicken meistens aus der Brille des heute möglichen und lassen uns dadurch limitieren. Wer bessere Lösungen entwickeln möchte und damit sind nicht immer Produkte gemeint, der muss halt einfach mal zehn Jahre weiter denken.

Facebook – Welt ohne Regeln

„Seit Jahren schert sich Facebook einen Dreck um die Folgen seines Geschäfts. Die Kosten für Fake News, Hasskommentare, politische Bots und Datenmissbrauch lädt der Konzern ungeniert bei der Allgemeinheit ab. Facebook scheffelt Milliarden mit den Daten der Bürger, zahlt aber kaum Steuern. Der Konzern macht damit unsere Leben zum Rohstoff seiner Profite, schützt aber unsere Privatsphäre nicht. Er bietet Rechtsextremen, Islamisten und Betrügern eine Bühne, will aber nicht dafür geradestehen, was sie dort sagen. Er zensiert Nippel, aber keine Nazis. Facebook ist die organisierte digitale Verantwortungslosigkeit.“, n-tv, 22.03.2018

Die Community kümmert sich darum … NICHT!

Mark Zuckerberg tritt mit feuchten Augen vor die Kamera, erzählt was von Verantwortung und Fehlern, doch es ändert sich nichts. Schon seit Gründung des Konzerns. „Die Community“ ist allerorts zu lesen, doch diese wird so richtig verschaukelt. Die Regeln setzt Mark Zuckerberg mit bezahlten Mitarbeitern, die nicht ansatzweise die Community fragen. Algorithmen, Regeln, Abschottung, alles das wird von bezahlten Mitarbeitern in der Facebook-Diktatur festgesetzt. Die Nutzer dürfen es schlucken oder gehen. Wahlrecht? Fehlanzeige! Transparenz? Pah, nicht bei Facebook! Die viel beschworene Community kann sich um nichts kümmern, denn Facebook würde das niemals zulassen. Der intransparente Apparat Facebook ist ein Buch mit sieben Siegeln und genau deshalb kommen sie mit allem durch. Presseanfragen? Kein Kommentar. Nicht von Facebook!

Vorausdenken – Nicht nach-denken

Schon seit Jahren werde ich mit weit aufgerissenen Augen angeschaut, wenn ich bekannt gebe, dass ich weder bei Facebook, noch bei WhatsApp oder Instagram aktiv bin. So langsam schimmert es dem einen oder anderen, warum ich schon vor langer Zeit die richtigen Schlüsse gezogen habe und dem Facebook-Konzern mit seinen Zukäufen konsequent den Rücken kehre. Die Medien fordern im Namen der User „Rote Linien“, die endlich von der Politik gezogen werden müssten. Während alle Unternehmen ein Rad schlagen, um den Anforderungen der neuen europäischen Datenschutzgrundverordnung zu entsprechen, passiert bei Facebook … NICHTS!

Facebook ist nicht Apple, nicht Microsoft

Anfänglich habe ich mich über die breite Inkompetenz geärgert, wenn Facebook, Google, Amazon, Apple und Microsoft immer wieder in einen Topf geworfen worden, doch es zeigt nur, dass die meisten User einfach nicht begriffen haben, was Facebook ist. Um es noch mal ganz klar abzugrenzen. Facebook ist eine Werbefirma, die wie Google auch, ihren Umsatz mit persönlichen Nutzerprofilen verdient. Je mehr diese Unternehmen von Usern wissen (was diese ja sehr gerne offenkundig bis hin zum Essensteller mitteilen), desto besser verdient Facebook. Apple dagegen verkauft harte Ware aus Glas und Metall. Daten werden nirgends so verschlossen und einfach mit niemandem geteilt. Nicht einmal Mitarbeiter haben Zugriff auf Anwender-Daten. Warum auch? Das Geld wird mit Geräten und dessen Service verdient und nicht mit Daten! Das ist eine komplett andere Branche, eine komplett andere Industrie. Apple hat nicht ansatzweise etwas mit Facebook zu tun. Im übrigen hatte Steve Jobs keinen Facebook Account. Zu Recht!

Austritt bei Facebook?

Ganz ehrlich, ich kann nicht nachvollziehen, wieso viele Menschen diese Dienste nutzen, denn der Mehrwert ist Null. Reine Zeitfresser.  Wer WhatsApp oder Facebook braucht, um auf dem laufenden zu bleiben, vernetzt zu bleiben, der hat den Gong noch immer nicht gehört. Sorry, aber das ist die einfache Wahrheit. Ich lebe seit Jahren ohne diese Datenkraken und vermisse, nichts. Wohl bemerkt, ich bin Digitalisierungsberater. Ohne Facebook & Co. Meine sozialen Beziehungen sind intakt, werden international gehalten und persönliche zwischenmenschliche Gespräche haben bei mir immer noch einen hohen Stellenwert. Ich komme bei dem Cambridge Analytica-Skandal, der ja nur eine Eisspitze von dem Datenmüllhaufen repräsentiert, in dem sich die Menschen sulen, einfach nicht mehr mit. Alleine die Diskussion um die Account-Löschung ist reiner Schwachsinn. Wer noch immer darüber nachdenkt signalisiert aber sehr deutlich: „Ich bin davon anhängig. Das Zeug klebt. Es geht nicht ohne. Ich bin voll abhängig.“

Na dann, selbst Schuld! Lass alles wie es ist. Ich bleibe auch dabei – Facebook, WhatsApp und Instagram sind für mich voll vermiente No-Go-Areas. Ein Land von selbstverliebten Egozentrikern, die sich selbst in den siebten Himmel ihrer narzistischen Persönlichkeiten beamen. Dafür geben diese Anwender alles auf, erst Recht die Privatheit. Viel Spass noch in diesem Land. Meine Meinung: Kein Interesse!

Die Wurzeln von Design Thinking bei Apple

Das wussten Sie nicht, richtig? Alle denken, dass Design Thinking von IDEO kommt, aus den frühen Neunzigern, von Larry Leifer und Terry Winograd. Stimmt schon, aber die Wurzeln reichen zurück in die frühen Achtziger. Es Begann 1981 mit der Entwicklung des Apple Macintosh. Die dort praktizierten Prinzipien gelten bis heute und sind erfolgreich, wenn sie als Methode adaptiert und darüber hinaus dem DNA-Kern nach gelebt werden.

Das Apple Macintosh Team als erster Design Thinking Inkubator

Es ist richtig, dass IDEO als erster die Methode verkauft hat (seit 1991), aber bereits zehn Jahre vorher hat Steve Jobs mit seinem Team die Design Thinking Prinzipien gelebt und die Basis für die weltweit erfolgreichste Firma geschaffen – Apple. Nur mal zum Vergleich: Umsatz mehr als 250 Prozent von Microsoft in 2017 und mehr als 200 Prozent Profit im Vergleich zu Microsoft im selben Jahr und das als Nischenanbieter. Bevor ich darauf eingehe, einige Worte von Andy Herzfeld, einem der führenden Softwareentwickler in Steve Jobs Macintosh Team und einem der herausragendsten Software-Entwickler der frühen Stunde.

Design Thinking Wurzeln liegen bei Apple

„The original Macintosh was designed by a small team that worked long hours with a passionate, almost messianic fervor, inculcated by our leader, Steve Jobs, and the excitement that we felt during its creation shines through in the finished product. (…)

We were excited because we thought we had a chance to do something extraordinary. Most technology development is incremental, but every once in a while there’s an opportunity to make a quantum leap to a whole new level. (…)

Most commercial projects are driven by commercial values, where the goal is to maximize profits by outperforming your competition. In contrast, the Macintosh was driven more by artistic values, oblivious to competition, where the goal was to be transcendently brilliant and insanely great. (…)

Steve encouraged the Mac designers to think of ourselves as artists. In the spring of 1982, he took the entire Mac team on a field trip to a Louis Comfort Tiffany exhibition in San Francisco, because Tiffany was an artist who was able to mass produce his work, as we aspired to do. (…)

Other groups at Apple had an elaborate formal product development process, mandating lengthy product requirement documents and engineering specifications before implementation commenced. In contrast, the Mac team favored a more creative, flexible, incremental approach of successively refining prototypes. (…)

Mentalität – Spirit – Regelbruch – Nonkonformität

Ich glaube, das reicht erst mal. Es liegt auf der Hand, wer als erstes Team Design Thinking praktizierte. Apple verrät allerdings bis heute nicht, wie sie ihre genialen Produkte und Services designen. Man muss schon solche Quellen bemühen und tief in die Recherche einsteigen. Andere haben die Methode verkauft und das ist auch gut so, aber wer wirklich verstehen will, was Design Thinking ist, legt sein Lehrbuch beiseite und fängt an bei Apple bis zu den echten Wurzeln zu forschen. Den gesamten Beitrag von Herzfeld gibt es hier als PDF: The Macintosh Spirit

Es gibt einige Bücher aus der frühen Zeit von Apple, die tatsächlich nicht mehr verfügbar sind. Ich werde in Zukunft immer wieder daraus berichten und Möglichkeiten aufzeigen, wie dieser Spirit heute in Design Thinking-Projekten umgesetzt werden kann. Es gibt viele Best Practices zu Design Thinking, doch Apple überstrahlt sie alle, gemessen am Erfolg der Methode.

Schwachstelle im Design Thinking

Alle reden davon, wie toll und produktiv Design Thinking ist, doch Achtung! Diese Methode hat auch einige gravierende Schwachstellen. Am „Apple Best Practice“ können wir diese identifizieren. Morgen mehr dazu.