LIVE aus Davos – Kein Weg zurück

Johannes Teyssen, CEO Eon

„Es wird keinen Weg zurück geben von der eigentlichen Revolution (…) Es wird zu einer Gestaltungspartnerschaft mit den Kunden kommen und das hat disruptive Folgen (…) Wir müssen die Kundenbeziehung immer wieder erneuern (…) deshalb investieren wir in Automatisierung (…) Man muss die gesamte Wertschöpfungskette der Kunden verstehen.“

Der Kunde als Dreh- und Angelpunkt

Johannes Teyssen spricht über Kundenanforderungen, Kundenbeziehungen und gesamte Wertschöpfungsketten von Kunden, nicht von unternehmen. Ein radikaler Wechsel in der Betrachtung von Geschäftsprozessen. Nicht mehr von innen heraus, sondern vom Kunden her gedacht. Nicht aus den Funktionsbereichen gesteuert, sondern an den Bedarfen und Bedürfnissen der Kunden ausgerichtet. Damit das funktioniert, sind innovative Technologien erforderlich. Plattformen für CRM und Customer Journey Management.

Den Blick nach vorne gerichtet

Johannes Teyssen geht noch einen Schritt weiter: „Man vergleicht sich da, wo man seine Stärke hat. Wieso führen wir den Kunden nicht wie beim Quartettspiel mit seinem Blick auf die Aspekte, in denen wir am besten sind?“ Innovationen brauchen frische Ansätze. Er vergleicht den Bau eines Porsches, denn als der erste Porsche gebaut wurde, gab es noch kein ausgebautes Netz von Autobahnen. Deshalb dürfen wir mit den Innovationen nicht dort stehen bleiben, wo die heutigen grenzen sind. Theyssen vermittelt Mut. Er zeigt die Chancen auf und fordert mehr Bereitschaft nach vorne zu denken. Er appelliert an unser Selbstverständnis und stellt eine entscheidende Frage:

„Warum befreien wir uns nicht aus alten Sprachmustern aus der alten Welt?“

LIVE aus Davos – Stay on Track

Tidjane Thiam, CEO Credit Suisse

CEO der Credit Suisse und Frank Appel (CEO Deutsche Post AG) haben bereits am Morgen über aktuelle Fragen der europäischen Zukunft diskutiert und sind sich einig, dass der BREXIT seine negativen Folgen erst entwickelt, wenn er vollzogen wird, doch das ist noch nicht der Fall. Wir können noch immer mit einer Einigung rechnen. Appel sieht den ungebrochenen Konsum und auch Teilnehmer aus dem Publikum sehen eine enorm starke Position der deutschen Wirtschaftslokomotive in Europa. Zum Auftakt sind das gute Nachrichten in einer Welt, die uns manchmal etwas irritiert. Die Botschaft ist klar:

Stay on Track

GROKO konkret Teil 2 – Digitaler Wandel von Arbeit

Arbeit ist die Leistungsebene in der Wirtschaft. Quasi die Substanz des Erfolges. Es wird nicht ausreichen, die Menschen in den Prozessen mit Technologien auszustatten. Die Arbeit wird sich grundlegend verändern. Bis ins Mittelalter hinein war der Ort der Leistungserbringung in den Betrieben sehr eng verbunden mit dem häuslichen Betrieb, dem Privatleben. Erst die Industrialisierung hat diese Orte der Betriebe aufgespalten in den häuslichen privaten Betrieb (originärer Betrieb) und den Industrie-, Dienstleitungs- oder Handwerksbetrieb (derivativer, also abgeleiteter Betrieb). Mit der Digitalisierung erleben wir die Auflösung der Grenzen von Betrieben wie wir sie bisher kannten zurück ins mittelalterlich Muster, in dem die Aufspaltung der Orte von Leistungserbringung wieder fusioniert wird. Lediglich die neue Komponente der Hypermobilität ist hinzugekommen.

Verschmelzung von Privat- und Berufsleben

Die Leistungserbringung in derivativen Betrieben (quasi in den Räumen der Firma) ist im Interesse von Work Life Balance rückläufig. Arbeit wandelt sich und das ist bei weitem nicht komplett neu, sondern in gewisser Weise sogar eine Rückkehr zu alten Formen, in denen der derivative Betrieb wieder mit dem originären Betrieb verschmolzen wird. Ganz einfach – Arbeiten von zu Hause aus. Das gilt es zu organisieren und mit geeigneten Rahmenbedingungen zu unterstützen (vgl. Prof. Dr. Klaus Stüdemann, Allgemeine BWL).

Digitalisierung in der öffentlichen Verwaltung

Ich habe keinen Zweifel daran, dass die selbstorganisierenden Kräfte in der Wirtschaft die Arbeit neu organisieren und Organisationsformen umsetzen, die den neuen Anforderungen entsprechen werden. Aber ich habe zumindest noch sehr viele Fragezeichen, wenn ich mir die Prozesse in der Verwaltung ansehe mit Blick auf Work Life Balance. Unternehmen haben dies schon heute umgesetzt. Wann die öffentlichen Verwaltungen hier nachziehen werden, steht noch in den Sternen. Oder kennt jemand schon öffentliche Verwaltungen, in denen der originäre und derivative Betrieb auf Basis digitaler Lösungen zusammen gelegt wurde – damit die Beamten eine bessere Work Life Balance erhalten? Das wäre ein konkreter Ansatz zur Digitalisierung.

 

Morgen: Punkt 3 von 4: Digitaler Wandel von Gesellschaft